Interview mit Paul Sessego – Absatzprognose in franzoesischen Hochgeschwindigkeitszügen

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Jul, 2013
idTGV, Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen in Frankreich, möchte schlechten Gastronomieservice auf den Schienen hinter sich lassen. Deshalb geht das Tochterunternehmen der französischen Bahn jetzt in die Offensive und reagiert mit Hilfe von Acteos, einem Anbieter für Supply Chain Management Software und mobile Unternehmensanwendungen, auf bestehende Probleme.

Beschreiben Sie bitte die Problemstellung, mit der Sie im Bereich der Eisenbahnrestauration zu kämpfen hatten. Was war Ihre Strategie um diesen Problemen Herr zu werden?
Der Kunde steht bei uns klar im Mittelpunkt und die Kundenzufriedenheit in unserem Unternehmen ist überdurchschnittlich hoch. Einziger Wermutstropfen in diesem Bereich ist unser Gastronomieangebot. Hier waren in der Vergangenheit lediglich 41 % der Reisenden zufrieden mit dem Angebot. 33 % unserer Kunden kennen das Gastronomieangebot nicht einmal. Genau betrachtet handelt es sich bei diesem Service ausschließlich um einen Kostenfaktor, mit dem wir kein Geld verdienen. Wir mussten daher unbedingt unsere Gastronomie an Bord der Züge neu gestalten. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden die drei folgenden wichtigen Dinge umzuorganisieren:

  • Kontinuierlich frische Produkte an Bord der Züge anbieten: Tagesfrische Belieferung der Züge.
  • Eine neue Logistiklösung implementieren: Bisher erfolgte die Beladung ausschließlich in Paris. Jetzt beladen wir zusätzlich in weiteren Regionen, um permanente Frische und Verfügbarkeit zu garantieren.
  • Verantwortung für die Restauration wieder selbst übernehmen: Das Franchise-Geschäftsmodell der Vergangenheit wird abgeschafft.

Um diese Neuerungen umzusetzen, musste idTGV sowohl einen geeigneten Lebensmittellieferanten als auch einen Lösungspartner für den Bereich der Absatzprognose und Bestandsoptimierung suchen.

War es im Rahmen des Projektes notwendig, speziell auf Ihr Unternehmen angepasste Software zu entwickeln?
Die große Herausforderung war es, aus den Daten der Abverkäufe der Vergangenheit valide Verkaufsprognosen abzuleiten. Hierbei mussten außerdem die Fahrpläne, die saisonalen Besonderheiten und die Vorbestellungen bei den Lieferanten berücksichtigt werden. Wir haben uns deshalb auf die Suche nach einer Softwarelösung begeben, die in der Lage ist, alle genannten Faktoren bei einer zukünftigen Prognose zu berücksichtigen und aus den gesammelten Daten Bestellvorschläge für jeden einzelnen Zug abzuleiten.

Wir haben uns schließlich für Acteos als Anbieter einer Prognoselösung entschieden, um dieses im Eisenbahnbereich völlig neuartige Projekt umzusetzen. Die von Acteos angebotene, sehr flexible Lösung konnte extrem gut an unsere Bedürfnisse und Prozesse angepasst werden.

Nachdem wir im September 2012 die neue Strategie definiert hatten, konnten wir am 20. November 2012 damit beginnen, das neue Restaurationskonzept schrittweise umzusetzen. Seit Anfang April 2013 läuft die Acteos Software nun in unseren Zügen und wir sammeln erste Erfahrungen.

Welche konkreten Softwarelösungen wurden eingesetzt?
Wir haben die Lösung PPOS (Procurement for Points Of Sale) von Acteos gewählt um die Abverkäufe in den Zügen zu prognostizieren und so die Versorgung mit Lebensmitteln zu optimieren.

Diese Lösung basiert auf einer selbstlernenden Prognose-Engine, die die historischen Abverkäufe berücksichtigt und alle direkten oder indirekten Ereignisse, die das Verhalten unserer Kunden und den Lagerbestand beeinflussen mit einberechnet.

Die Prognosesoftware speichert alle externen Faktoren, um die Lebensmittelmengen zur Versorgung der Züge zu optimieren. Im Laufe der Zeit werden wir so immer mehr Einflussfaktoren auf den Konsum im Speisewagen identifizieren (wie zum Beispiel das Wetter, die Jahreszeit, die Eigenheiten der Passagiere). Unter Berücksichtigung der Haupteinflussfaktoren werden wir dann versuchen, alle konsumrelevanten Zusammenhänge aufzudecken um somit möglichst exakte Prognosen zu treffen. Außerdem möchten wir so die Bestellmengen optimieren und vermeiden, dass Lebensmittel unnötig weggeworfen werden oder Fehlartikel entstehen. Die Produkte werden früh morgens hergestellt und nach fünf Stunden in den ersten Zug verladen, der dann sechs Stunden nach Herstellung losfährt. Da die Bestellungen bereits am Vortag erfolgen, müssen wir in der Lage sein, eine gute Vorhersage zu treffen.

Inwieweit ist die Lösung bereits implementiert?
Wir sind gerade dabei, die historischen Daten auszuwerten. Dabei wird das System optimiert und angepasst sowie die beste Prognosemethode gewählt. Wir hoffen, innerhalb eines Jahres eine ausgezeichnete prädiktive Analyse zu realisieren, um eine strategische Planung möglich zu machen. Wir hatten vorher kein eigenes IT-System und keine zuverlässige Datenbasis, um Prognosen treffen zu können. Wir führen all diese Dinge ein, um unseren Service zu verbessern.

Was sind die langfristigen Ziele?
Wir haben uns ein ziemlich ehrgeiziges Ziel gesetzt. In drei Jahren wollen wir die Kundenzufriedenheit im Gastronomiebereich von 41% auf 80 % erhöhen und möchten erreichen, dass sich der angebotene Service auch einigermaßen wirtschaftlich trägt. Den Umsatz würden wir dabei gern verdoppeln. Da unsere Transportleistungen auch im Internet angeboten werden, wollen wir unseren Gastronomieservice ebenfalls online anbieten, damit unsere Kunden in Ruhe im Vorfeld auswählen und ihr Essen und ihre Getränke zusammen mit der Fahrkarte vorab kaufen können. Wir implementieren also gerade viele neue Prozesse, die in der Geschichte der Eisenbahn vorher noch nie umgesetzt worden sind.

Das Interview wurde durchgeführt von Laurène de Vialar

Pressekontakt:
Michaela Frank
Marketing Manager
Acteos GmbH & Co. KG
Talhofstr. 30a
82205 Gilching
Telefon: +49 (0)8105 3851 0
E-Mail: presse@acteos.de

www.acteos.de

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